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Bernard

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О Bernard

  • Рођендан 10/09/1957

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    30. Januar 2020                                 Tedros Adhanom Ghebreyesus

  2. Hexenpredigt von Martin Luther über 2. Mose 22 Vers 17 (Ex. 22,17 „Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen“) im Frühjahr 1526, zwischen dem 11. März und 6. Mai 1526, mitgeschrieben von Johannes Bugenhagen, Luthers engstem Mitarbeiter: Von der Zauberin. Dies schreibt auch das kaiserliche Recht vor. Warum nennt das Gesetz hier eher Frauen als Männer, obwohl doch auch Männer dagegen verstoßen? Weil Frauen mehr als jene durch Verführungen (superstitionibus) dem Satan unterworfen sind. Wie Eva. Der Volksmund nennt sie die Weisen Frauen. Sie sollen getötet werden. Jede von ihnen missbraucht die Sakramente der Christen. Sie sagen nämlich: ich beschwöre dich beim Schwert, welches das Herz Marias durchdrang, bei den Dornen Christi, bei den vier Evangelisten. Uns Christen wurde gesagt: Wenn euch etwas fehlt, erbittet es durch euren Glauben, erbittet Körperliches und Ewiges. Wenn ihr es nicht sofort erhaltet, wartet, handelt nicht mit Satan, macht Gott keine Vorschriften, so wie die Zauberinnen. Eine Zauberin bestimmt eine gewisse Zeit, Person, Ort, und sagt: „Dort findest du einen Frosch, Haare, Totenknochen, im Bett, in deinem schmerzenden Bein, wenn du das nicht entfernst, nicht ausgräbst, wird dir keine Gesundheit zuteil, wirst du nicht sehen“ usw. Hier sagen die Dummen: „Bei meiner Seele, so hab ich`s gefunden!“ als ob es der Satan nicht ganz leicht so hinlegen oder dir ins Bein hineinstoßen könnte, wie du nämlich glaubst, so geschieht dir. Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird, sie können nämlich Milch, Butter und alles aus dem Haus stehlen, indem sie es aus einem Handtuch, einem Tisch, einem Griff melken, das ein oder andere gute Wort sprechen und an eine Kuh denken. Und der Teufel bringt Milch und Butter zum gemolkenen Instrument. Sie können ein Kind verzaubern, dass es ständig schreit und nicht isst, nicht schläft usw. Auch können sie geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen, dass der Körper verzehrt wird. Wenn du solche Frauen siehst, sie haben teuflische Gestalten, ich habe einige gesehen. Deswegen sind sie zu töten. Ein Heilmittel aber ist etwas anderes: die Natur freilich, nicht ein Dämon. Wenn du den Kräutern Kräfte beifügst durch deine Worte oder einen Segen mit einem „Vater unser“ oder dem Angelus-Gebet, ist es ein Dämon. Die Natur Gottes ist es, durch welche die Brennnessel brennt, das Wasser nass macht. Manche Kräuter sind heilsam. Wenn aber deine Worte nötig sind, ist es ein Dämon, nicht die Natur. Dieses Gesetz von den Zauberinnen muss man dem zugefügten Schaden beistellen. Schaden fügen sie nämlich an Körpern und Seelen zu, sie verabreichen Tränke und Beschwörungen, um Hass hervorzurufen, Liebe, Unwetter, alle Verwüstung im Haus, auf dem Acker, über eine Entfernung von einer Meile und mehr machen sie mit ihren Zauberpfeilen Hinkende, dass niemand heilen kann und dass danach im Bein Haare, Kohle usw. gefunden werden, die oft von anderen Zauberinnen erkannt werden, so dass richtig gesagt wird: Wo der Satan nicht hinkommt, kommt sein Weib hin, d.h. seine Zauberin. Weil der Fürst der Welt, Satan, keine Kreatur erschaffen kann, freut es ihn, alles zu verderben, wenn er es kann; er würde der Kuh nicht erlauben einen Schwanz zu haben, wie ein zorniger Mensch seine Tyrannei ausübt. Er kann kein Gift herstellen oder Eisen, aber er missbraucht dies zum Töten. Und so zerstört der Teufel durch die Geschöpfe, was er kann, wenn Gott es erlaubt. Wo aber gute Christen sind, kann er nicht gegen jene wie gegen Ungläubige, denen es geschieht, dass sie glauben, vorgehen, außer wenn Gott ihnen schaden will als Prüfung, wie bei Hiob. Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder. Sonst verachten sie jenes, als ob die Zauberinnen es nicht könnten, aber tatsächlich können sie es. Mit diesen Überlegungen wirst du nichts erreichen gegen sie, jedoch mit festem Glauben. Der Teufel könnte morgen die Elbe über unsere Stadt ergießen, alle Bäume ausreißen, doch Gott erlaubt es ihm nicht; manchmal erlaubt er etwas, damit wir sehen, was er vermag, damit wir nicht aufhören, ihn anzurufen. Aus diesem Gesetz ist gerade das Recht, das wir gegen die Zauberinnen gebrauchen. Ein mir bekannter Prediger hat es sehr verachtet, darüber zu predigen, als ob sie solche nicht könnten, aber er starb an einem Venefizium. Also ist gegen sie nicht mit Verachtung, sondern mit dem Schwert oder festem Glauben vorzugehen. Sie schaden mannigfaltig, also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch weil sie Umgang mit dem Satan haben…1
  3. Vereinnahmung Luthers für den jeweiligen Zeitgeist – auch heute Luthertag 1933 Auf dem Wartburgfest 1817 wurde Luther als deutscher Nationalheld gefeiert. Er befeuerte insbesondere den Kampf um die nationale Einigung gegen den „Teufel Napoleon“. 1883 zu Luthers 400. Geburtstag avancierte der Reformator zum Gründungsvater der deutschen Nation, die in der Konstituierung des Deutschen Reiches nach dem deutsch-französischen Krieg 1871 vollendet wurde. 1917 wurde Luthers unbeugsamer Kampfeswillen beschworen, um die Deutschen in einer Zeit großer Not zu retten: „Du stehst am Amboss, Lutherheld. Und wir, Alldeutschland, sind deine Schmiedehelfer.“ Im Lutherjahr 1933 feierte die Mehrheit der Protestanten als „Deutsche Christen“ Luther als den gottgesandten Vorboten des Führers. „Gott hat uns den Führer geschenkt“, schallte es von protestantischen Kanzeln, „und Martin Luther lehrt uns den Gehorsam gegenüber der Obrigkeit.“ 1983 hatte das Martin-Luther-Komitee unter dem Vorsitz von Erich Honecker Historiker beauftragt, die Relevanz des Reformators für die DDR herauszustellen. In 15 Thesen kamen sie zum Ergebnis: Martin Luther habe entscheidend zur frühbürgerlichen Revolution gegen die reaktionäre Kräfte von Feudalismus und Kirche beigetragen. Luthers progressives Erbe sei aufgehoben in der sozialistischen deutschen Nationalkultur. Die protestantischen Christen brächten mit Berufung auf Martin Luther ihr Engagement für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Fortschritt in das sozialistische Gemeinwesen ein – wie auch für die fortschrittlichen Bewegungen auf der ganzen Welt. 450 Jahre lang forderten die Repräsentanten von Thron und Altar oder Führer und Pfarrer in Luthers Namen die jeweils politischen Ziele ein. Auch 2017 gibt es einen Schulterschluss zwischen Staat und Protestantismus zur gemeinsamen Lutherverwertung. Heuer wird Luther für die aktuell propagierten Werte wie Freiheit und Toleranz, Demokratie und Grundrechte in Anspruch genommen. Die neue Rechtfertigungslehre vom legendarischen Luther Honecker mit Martin-Luther-Komitee (1980) Für das Problem, dass diese Prinzipien mit dem historischen Luther absolut nichts zu tun haben, hat die EKD selbst eine verblüffende Lösung parat. In ihrem offiziellen Grundlagentext „Rechtfertigung und Freiheit“ schreiben die Autoren in bemerkenswerter Offenheit: „Jubiläen rekonstruieren nicht einfach Gewesenes, sondern schreiben es in allgemeine Erzählungen ein, die aktuelle Relevanz beanspruchen dürfen.“ Von hinten gelesen bedeutet der Satz: Die heutigen relevanten Themen werden so in eine rückblendende Erzählung eingebaut, dass am historischen Ende des Narrativs immer der Reformator am Anfang steht. So ist dann auch die Unterschrift zu dem Luther-Logo zu verstehen: „Am Anfang war das Wort“ – das fabelhafte vom postfaktischen Luther. Die politischen Repräsentanten haben die moderne protestantische Rechtfertigungslehre vom legendarischen Luther als Urknall der neuzeitlichen Freiheitsentwicklung dankbar aufgenommen. Denn so bietet das aktuelle Luther-Jubiläum die einmalige Chance, einen neuen Nationalmythos zu konstruieren.
  4. Perverser Sündenstolz ohne Scham und Reue Nach der Lektüre von Erasmus’ Buch zeigt Luther sogleich seinen verächtlichen Respekt: „Während ich mir mit den Büchern meiner anderen Gegner den H.… auswische, habe ich diese Schrift ausgelesen, aber doch hinter die Bank geworfen.“ Denn zunächst hatte er 1524 an anderen Fronten zu kämpfen. Mit seinem blutrünstigen Pamphlet gegen die kämpfenden Bauern stellt er sich endgültig auf die Seite der Fürsten und Grundherren gegen das Volk: „Der Esel will Schläge haben und der Pöbel mit Gewalt regiert werden.“ Nachdem die Felder in Württemberg und Thüringen mit dem Blut der hingeschlachteten Bauern getränkt waren, gab er das grausige Bekenntnis ab: „Ich, Martin Luther, habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen, denn ich habe sie heißen totschlagen: All ihr Blut ist auf meinem Hals.“ In diesem hybriden Sündenstolz ohne Scham und Reue zeigten sich die furchtbaren Früchte seiner exzessiven Sünden- und Gnadenlehre: Da einerseits die Sünden unvermeidbar sind, andererseits der Sünder im Glauben durch die Gnade gerechtfertigt wird, sind selbst die größten Sünden irrelevant. Luther kann die Gläubigen sogar zu kräftigem Sündigen auffordern, wenn sie nur noch kräftiger glauben würden. Erasmus hatte mit seiner Schrift diesem zentralen Theorem Luthers den Boden entzogen und deshalb tobte der Wüterich: Auch die Tötung der Wiedertäufer nahm er auf seinen Hals. In einer Denkschrift hatte er von den protestantischen Fürsten gefordert, Wiedertäufer zu verfolgen, einzukerkern und mit dem Galgen zu bestrafen. Luther will Gottes Krieg führen, auch wenn die Welt in Scherben fällt Luthers Gegenschrift „über den unfreien Willen“ In seiner Schrift „De servo arbitrio“ oder vom knechtischen Willen von 1525 zieht Luther alle Register seiner Beredsamkeit von Spott und Speien, Argumentation und Attacke. Er schreibe das Buch nur, weil Paulus befehle, „unnützen Schwätzern das Maul zu stopfen“. Dann verhöhnt er den Humanisten wegen dessen abwägender Argumentation. Luther hatte die erörternd-diskursive Methode der Scholastik längst hinter sich gelassen. Aus seiner Glaubensgewissheit heraus gab es für ihn nur eine Wahrheit – seine Wahrheit, die er mit Christi Wort und Wille gleichsetzte. Der Heilige Geist sei kein Skeptiker wie Erasmus. Deshalb setze er auf ein klares Urteil, wenn auch gleich die ganze Welt in Unfrieden versinken, zu Trümmern gehen und in Scherben zerfallen würde. Über die Willens‑, Sünden- und Gnadenfrage hinaus griff Luther Erasmus’ Christusglauben vom Friedensbringer an: „Das Wort Gottes ist Krieg, ist Gift, ist Untergang“, doziert er martialisch. „Dieser Krieg ist unseres Herrgotts, der hat ihn durch seinen göttlich freien Willen erweckt und wird nicht damit aufhören, bis er alle Feinde seines Wortes zuschanden gemacht.“ Erasmus als Weichredner solle mit seinen gezierten Worten nicht an Problemen herumfingern, die nur von restlos gläubigen Tatmenschen entschieden werden könnten. Niederträchtige Totschlag-Phantasien … Aber auch mit dieser maßlos drohenden und dröhnenden Rede konnte sich Luther in seinem Eindreschen auf den Gegner nicht beruhigen. Keinen Anlass sollte er im weiteren Leben versäumen, um Erasmus mit fürchterliche Schmähungen und Verunglimpfungen zu überkübeln. Der Humanist wäre der „grimmigste Feind Christi“, er fluchte seinen Namen als Glaubensskeptiker, gottesschändlicher Ketzer oder gar Atheist. Luthers Hass steigerte sich zu niederträchtigen Gewaltphantasien:
  5. Luther forderte Erasmus zur Stellungnahme heraus Erasmus über den freien Willen Luther reagierte auf diese Einlassungen gewohnt streitsüchtig. Er schrieb 1522 an einen Freund: „Die Wahrheit ist mächtiger als die Beredsamkeit, der Glaube größer als die Gelehrsamkeit. Sollte es Erasmus wagen, mich anzugreifen, so würde er erfahren, dass Christus sich weder vor den Pforten der Hölle noch vor den Mächten der Luft fürchtet.“ Der Wittenberger strotzte vor Selbstbewusstsein, wenn er die Wahrheit, den wahren Glauben und selbst Christus mit sich und seinem Handeln identifizierte. Als er ein Jahr später ein persönliches Schreiben an Erasmus richtete, war sein Tonfall ähnlich überheblich und herablassend: Wenn er schon nicht den Mut habe, an der Seite Luthers gegen „das Ungeheuer der Papstkirche“ zu kämpfen, dann solle er sich in den Streit nicht einmischen. Und wenn er es doch tue, bedeute es keine Gefahr mehr für ihn. Trotz der hochfahrenden Art und des demütigenden Brief-Inhalts ließ sich Erasmus nicht dazu hinreißen, in gleicher Weise auf Luther einzugehen. Er wählte für die Auseinandersetzung die Form einer philosophisch-theologischen Erörterung über den freien Willen. Luther musste nach der Veröffentlichung der Schrift „De libero arbitrio“ von 1524 zugeben, dass Erasmus der einzige von allen Widersachern sei, der den Nerv seiner Sache erkannt habe. Luthers Extreme waren seine Schwachpunkt Luthers dogmatische Lehre hatte zwei Eckpunkte, die sich gegenseitig bedingten: Die totale, unheilbare Verderbtheit der Menschen könnte niemals irgendwelche guten Werke bewirken und daher seien sie zu ihrer Rechtfertigung allein und völlig auf die Gnade Gottes angewiesen. Der Mensch werde von Natur aus und auch nach der Taufe stets „vom Teufel geritten“ und nur der Glaube mache ihn zum Reittier Gottes. In diesem Konzept durfte kein Platz für den freien Willen sein, denn der hätte menschliches Mühen, Reue, Besserung und insbesondere heilsbedeutsame gute Werke nach sich gezogen, die die alleinige Gnadenwirkung beeinträchtigten. Luthers Position zum unfreien Willen war die Grundlage für seinen Kampf gegen die katholische Lehre vom Zusammenwirken von Natur und Gnade, von Glauben und Werken. Erasmus entfaltete die katholische Lehre Erasmus fasste Luthers Theorem so zusammen: Der Mensch sei unfähig, die Gebote Gottes zu erfüllen, da alle vermeintlich guten Werke nur Verdammnis brächten. Dagegen führt er eine große Zahl von philosophisch-theologischen Autoritäten an wie auch die Mehrzahl der einschlägigen Bibelstellen. Erasmus behandelte die biblischen Aussagen und erörterte die klassischen Argumentationen von Kirchenlehrern und Theologen. Sein Ergebnis formulierte er wie immer abgewogen und moderat: Der freie Wille stehe nicht im Widerspruch zur göttlichen Gnade, sondern in einem graduellen Verhältnis: Das umschreibt die Position der kirchlichen Theologen und Konzilien seit jeher und so wurde es im Konzil von Trient dogmatisiert.
  6. Der Biograf Stefan Zweig fasst zusammen: „Erasmus kann die Papstkirche nicht aufrichtigen Herzens verteidigen, weil er als Erster in diesem Streite ihre Missbräuche gerügt, ihre Erneuerung gefordert hatte.“ Doch dann musste er erkennen, dass die von ihm und anderen Humanisten gerügten Veräußerlichungen der Kirche keine innere Reform hervorgebracht hatte. Wer keine Reliquien verehrte, wurde dadurch noch lange kein besserer Christ. Bald wurde seine Distanz zu Luthers Lehren größer als seine kritische Haltung zur Kirche. Insbesondere erregt sein Abscheu, dass Luther und seine Anhänger nicht „die Idee seines Friedens-Christus in die Welt tragen, sondern zu wüsten Eiferern geworden sind“ – so Stephan Zweig. Erasmus bleibt bei seiner kritischen Loyalität zur römisch-katholischen Kirche: „In Luthers Kirche hätte ich eine der Koryphäen sein können, aber ich wollte lieber den Hass ganz Deutschlands auf mich ziehen, als mich von der Gemeinschaft der Kirche zu trennen.“ Der Humanist wurde zu einem frühen Kritiker der protestantischen Bewegung:
  7. Erasmus von Rotterdam und der fünfzehn Jahre jüngere Martin Luther hatten in ihrer ersten Lebenshälfte einige Gemeinsamkeiten: Sie traten in jungen Jahren dem Augustinerorden bei, studierten Theologie und wurden zum Priester geweiht. Beide kritisierten eine in Teilen veräußerlichte Kirchenpraxis bei Klerikern und Gläubigen. Im Eintreten für eine Reform der Kirche kehrten sie ihren Klöstern den Rücken. Beide wurden sehr bekannt aufgrund ihrer Buch-Publikationen. Von Erasmus sind 150 Bücher gedruckt worden, von Luther ein Vielfaches davon. Der Humanist schrieb in elegantem Latein und somit für die Gebildeten seiner Zeit in ganz Europa. Luther publizierte darüber hinaus auch in Deutsch und erreichte somit weitere Volksschichten. Damit sind aber die Gemeinsamkeiten der Protagonisten ausgeschöpft. Von Askese zu Völlerei Die Gegensätze zwischen Erasmus und Luther auf verschiedenen Ebenen waren dagegen sehr deutlich. Martin Luther war ein Mensch der Extreme: In seinen Klosterjahren führte er gegen Rat und Vorschrift seiner Oberen ein skrupulöses Mönchsleben mit übertriebener Strenge und Askese, Bußwerken und ständigem Beichten. Mit seinem semi-pelagianischen Buß-Streben fand er keine Heilgewissheit. In seinem späteren Leben trieb er es ins andere Extrem mit Ausschweifungen, Trunkenheit und Völlerei – gegen den Verweis vom Apostel Paulus im Galaterbrief. Schon bei Luthers Reise nach Worms 1521 war aus dem „mageren Augustiner“ ein prassender Geselle geworden. „Ich fresse wie ein Böhme und saufe wie ein Deutscher, das sei Gott gedankt“ – so Luther 1540. Er starb 1546 selbstbezeichnet als „feister Doktor“.
  8. Martin Luther, Werke, Weimarer Ausgabe (WA) 10, 2, 220 (Schriften 1522).
  9. Der „Kampf mit Gott“ und das schlechte Gewissen Martin Luther war mit Gott und mit sich nicht im Reinen. Daraus folgte alles andere. Luther, „als Student ein lebenslustiger Bursche“ (13) und höchstwahrscheinlich Vater unehelicher Kinder (11), versuchte mit seinem Klostereintritt vor den juristischen und psychologischen Konsequenzen eines Vergehens zu fliehen, nämlich der Tötung eines Kommilitonen im (bei Todesstrafe verbotenen) Duell. Der Eintritt ins Kloster war somit nicht innerlich frei vollzogen und daher Anlaß zu großem Seelenleid. Um dieses herum baute Luther seine Theologie. Sie bestand aus Selbstrechtfertigungen, Projektionen, Ausreden und Anklagen. Hier kommen wir in eine Problematik, die heutzutage endemisch geworden ist, nämlich das Abwälzen eigener Schuld und die damit verbundenen Rationalisierungen und sonstigen Verrenkungen, die in weiterer Folge nach einer Rechtfertigung des Menschen an sich streben („Anthropodizee“):
  10. „Wider den Türken streiten, heißt wider Gott streiten“, war übrigens eine von Luthers Thesen, die von Papst Leo X. 1520 mit der Bannandrohungsbulle Exsurge Domine verurteilt wurde. Luther widerrief nicht, sondern verbrannte hochmütig die Bulle in aller Öffentlichkeit. Eine Geste, die in manchen protestantischen und kirchenfernen Kreisen noch heute wie eine Heldentat gefeiert wird – denn gelesen hat die Bulle ja keiner.
  11. „Reformation verantwortlich für eines der größten Übel unserer Welt: die Selbstliebe“ Die bekanntestes progressive Zeitschrift Italiens, die Dehonianer-Schrift Il Regno (Das Reich) veröffentlichte ein Interview mit Vannini. An einer anderen Stelle des Interviews sagte Vannini zu Luther: Und weiter: Marco Vannini
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